Die bunte Vielfalt der Jugendkulturtage 2014

Von der Jugend für die Jugend. Hier geht es um Kunst, Musik, Popkulturen, Historisches und vieles mehr. Kulturreferent und Zweiter Bürgermeister der Stadt Erding, Ludwig Kirmair, bezeichnete das Programm der Jugendkulturtage Erding nicht umsonst als „wahres Feuerwerk“. Eindrücke verschiedener Veranstaltungen gibt es hier.

Manga Manga

Japan verbraucht mehr Papier für Mangas als für Toilettenpapier. Dieses Zitat stammt aus einer wissenschaftlichen Publikation von Lea Treese. Auch in Deutschland ist die Popkultur aus Fernost schon lange angekommen. Mangas und Animes, das sind mehr als nur Comicfiguren für Kinder. Das möchte auch Floriane Petzendorfer mit ihrem Team von „Jugend macht Kunst“ in ihrem Workshop bei den Jugendkulturtagen klarstellen.

Foto: ednetz / Simone Vinnbruch
Foto: ednetz / Simone Vinnbruch

Sie erzählt mehrere Fakten zum Thema Manga und möchte damit auch verdeutlichen, dass Mangas nicht nur etwas für Kinder ist.

Dann heißt es: Ran an die Bleistifte und los. Floriane gibt nebenbei Tipps zum Zeichnen der kultigen Figuren mit den riesigen Kulleraugen. Unsere Galerie zeigt, dass sich keinesfalls nur Anfänger im Zeichnen versuchen.

Auf dem Tisch liegen viele verschiedene Bücher über das Zeichnen von Mangafiguren, ein Aufsteller mit Mangas und Zeitschriften bieten Vorlagen für die Motive.

Foto: ednetz / Simone Vinnbruch
Foto: ednetz / Simone Vinnbruch

Florianes Freundin Miriam ist begeisterte Cosplayerin und als niedliche Manga-Katze verkleidet. Sie geht schon seit einigen Jahren auf die Animexx in München, eine kleine Manga-Convention. Aber im nächsten Jahr soll es auf die Gamescom nach Köln gehen. Sowohl Floriane, als auch Miriam beschäftigen sich schon seit mehreren Jahren mit Mangas und zeichnen seit ihrem 12. Lebensjahr.

Zum richtigen Manga-Feeling werden nebenbei Anime-Filme gezeigt und für die japanische Inspiration sorgt Musik aus Anime-Soundtracks. Übrigens: Wer mit Mangas nicht viel anfangen kann und lieber die guten, alten westlichen Comics mag, der kann am Comic-Workshop am Samstag um 14 Uhr in der Stadtbücherei teilnehmen.

Spurensuche im Museum Erding

Foto: ednetz / Simone Vinnbruch
Foto: ednetz / Simone Vinnbruch

Schule ist doch so langweilig und gerade der Geschichtsunterricht erfreut sich beim falschen Lehrer meist keiner großen Beliebtheit. Deswegen verfolgten Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums selbst die Spuren in die Vergangenheit.

Unter der Leitung von Klaus-Peter Gwuzdz, Fachberater für Latein am Anne-Frank-Gymnasium, und einem Kollegen haben sich die Acht- bzw. Neuntklässler mit der Erdinger Geschichte befasst. Sie suchten sich Ausstellungsstücke aus dem Museum Erding aus und überlegten sich Geschichten dazu, die diese Objekte wohl erzählen könnten. Mit Humor und bayerischen Charme stellen manche Schüler und Schülerinnen bei den Jugendkulturtagen kleine Szenen nach oder erzählen jene Geschichten mit verteilten Rollen.

Eine Geschichte handelt von einem Ohrring, der im Erdinger Moos gefunden wurde. Er wurde gestohlen, damit ein armer Mann ein Geschenk für seine Geliebte hat. Eine andere Geschichte erzählt, wie wohl die Pfotenabdrücke in die Ziegelsteine kamen.

Vergessener Widerstand in Erding

„Worum es uns geht“, sagt Heinrich Mayer, ehemals Oberstudienrat am Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben, „worum es uns geht, sind die kleinen Formen von Widerstand, von Zivilcourage, Situationen, in denen jemand ‚Nein‘ gesagt hat.“ Gemeinsam mit Schülern, Lehrern und weiteren Interessierten blickt er am siebten Tag der Jugendkulturtage auf die Zeit des Nationalsozialismus zurück. Dabei stets im Mittelpunkt: das Handeln der Menschen vor Ort, die Geschehnisse in Erding und Umgebung in den 1930er- und 1940er-Jahren.

Foto: ednetz / Niklas Molter
Foto: ednetz / Niklas Molter

Der Workshop zum Thema „Vergessener Widerstand in Erding und Umgebung“ beginnt mit einer Einführung durch Stadtarchivar Markus Hiermer, der einen kleinen Einblick in seine Arbeit gibt. Anschließend dürfen die Teilnehmer selbst in der Geschichte graben. Ergänzend zu einer allgemeinen Zeittafel, die Mayer austeilt, sollen sie folgender Frage auf den Grund gehen: „Was war in Erding zu der Zeit los?“

Als Hilfe dienen alte Ausgaben des Erdinger Anzeiger, Protokolle von Stadtratssitzungen, Wahlergebnisse oder Dokumente über die „Zu- und Abwanderung von Juden“. Die Teilnehmer machen sich Notizen, lernen Neues, ergänzen die Chronologie der Ereignisse. Dann nach einer Stunde ist der praktische Teil vorbei.

Foto: ednetz / Niklas Molter
Foto: ednetz / Niklas Molter

Zurück im Sonic, folgt eine offene Diskussion. „Ich kann nicht verstehen, wie man dieses System zulassen konnte“, sagt eine Schülerin. „Die Vergangenheitsbewältigung ist im Allgemeinen gut gelungen – aber nicht auf lokaler Ebene“, ist sich ein anderer Teilnehmer sicher, der von eigenen Rechercheergebnissen berichtet.

Auch Mayer wünscht sich, dass die Chroniken in den einzelnen Orten künftig noch detaillierter werden. Schließlich seien die Ereignisse mithilfe der Unterlagen aus den Archiven „bis auf die kleinste Ebene durchdeklinierbar“. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt der ehemalige Lehrer. In Zukunft könne er sich vorstellen, mit einer Arbeitsgruppe eine Chronik für Erding zu erarbeiten.