Public Viewing am Kleinen Platz: Erding feiert den Titel

Public Viewing Erding - WM-Finale 2014, Foto: ednetz / Niklas Molter

Deutschland ist Weltmeister! Mit 1:0 nach Verlängerung setzte sich das Team von Jogi Löw gegen Argentinien durch. Hunderte Erdinger verfolgten das Finale an den verschiedenenen Public-Viewing-Stätten der Herzogstadt. Wir waren am Kleinen Platz und haben einige Eindrücke für euch gesammelt – von diesem packenden Spiel und dem, was darauf folgte.

„Ich halt’s nicht mehr aus“, sagt die brünette Mittzwanzigerin. Gerade hat André Schürrle in der 91. Minute Sergio Romero angeschossen, den argentinischen Torhüter. „Deutschland hat losgelegt – und direkt geil“, kommentiert hingegen ihre Freundin den Beginn der Verlängerung. Sie glaubt, dass Deutschland das Spiel für sich entscheiden wird.

Auch Thomas, 24, Student, ist optimistisch. „Ich glaube, es klappt noch“, sagt er. „Ich weiß nur nicht, ob in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen.“ Thomas schreibt am Montagmorgen um 9 Uhr eine Klausur. Das Finale beim Public Viewing in Erding zu schauen – das wollte er sich dennoch nicht entgehen lassen. Nur nach dem Spiel, da soll es schnell nach Hause gehen. Unabhängig davon, ob Deutschland oder Argentinien den Titel holt.

„Die müssten schon zu neunt spielen“, meckert hingegen Julian, ebenfalls Student aus Erding. „So eine Holzerei!“ Er ereifert sich schon eine ganze Weile über die Leistung des Schiedsrichters, der den Argentiniern trotz mehrerer Fouls partout keine Karte geben zu wollen scheint. Auch nicht als Schweinsteiger nach einem Schlag von Agüero in der 109. Spielminute unter dem Auge zu bluten beginnt.

Zur dritten Runde der Gruppenphase stellten die umliegenden Gastronomen auf dem Kleinen Platz den „Fernsehturm“ auf. Hunderte Erdinger konnten hier gemeinsam schauen. (Fotos: Viertelfinale)

Plötzlich dann, geradezu unerwartet: das Tor. Wie aus dem Nichts trifft der eingewechselte Mario Götze sieben Minuten vor Ende der Verlängerung zum 1:0. Auf dem Kleinen Platz, wo sich Hunderte um den „Fernsehturm“ herum versammelt haben, bricht großer Jubel aus. Erding reißt die Arme in die Höhe, springt auf und ab. Deutschland ist nur noch wenige Augenblicke vom vierten WM-Titel entfernt.

Um 23.36 Uhr dann ist es soweit: Nicola Rizzoli, der Unparteiische, pfeift die Begegnung ab. Deutschland ist Weltmeister. Rund um den „Fernsehturm“ fallen sich Leute in die Arme, schwingen Deutschlandfahnen, machen Bilder. Als sich das DFB-Team kurz darauf auf den Weg macht, den Pokal entgegenzunehmen, schaut Fußball-Erding gebannt auf die Bildschirme. Jubel brandet auf, als Philipp Lahm den Pokal stemmt. Wer seine Freunde bis dahin noch nicht geherzt hat, tut es spätestens jetzt (Der Moment im Video).

Die ersten Autos stauen sich um den Schrannenplatz herum. Dort zieht es die Erdinger nun hin. Wer an der Menge vorbeifährt, wird ordentlich durchgerüttelt. Sieben, acht euphorisierte Jugendliche schütteln einen schwarzen VW so lange, bis der Fahrer ein Zeichen gibt, weiterfahren zu wollen.

Es ist klar: Fußball-Erding wird sich an diesem Abend die Party nicht nehmen lassen. Erst Stunden später – gegen 3.30 Uhr etwa – verlassen die letzten Fans den Schrannenplatz. Nach Hause begleitet sie die Gewissheit, einen – fußballerisch gesehen – historischen Abend erlebt zu haben. 24 Jahre nach dem letzten Weltmeistertitel.

Eindrücke vom WM-Finale – diesmal leider nur mit einer Handykamera aufgenommen:

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Niklas schreibt seit 2013 für ednetz. Darüber hinaus für die Augsburger Allgemeine und den Erdinger Anzeiger. Er hat Staatswissenschaften an den Universitäten Passau und Turin studiert. In Erding ist Niklas zur Schule gegangen.