Neymar in Erding: „Ich habe es einfach nicht geglaubt“

Der Tag im Erdinger Restaurant „La Padella“ beginnt wie jeder andere. Die Gäste speisen, das Personal bedient und kocht hausgemachtes italienisches Essen. Dann betritt plötzlich Brasiliens Fußballstar Neymar Jr. das Lokal – und bestellt Spaghetti. Wir haben mit „La Padella“-Besitzer Roberto Angelis über den unerwarteten Besuch gesprochen.

Neymar in Erding - Foto: La Padella
v.l.: José Antonio Mota Salgueiro, Vincenzo Giordano, Giovanni Santoianni, Neymar, Roberto Angelis, Gino Saletta und Pietro Curto. Foto: La Padella

Auch noch einen Tag nach dem Überraschungsbesuch von Fußballstar Neymar strahlt Roberto Angelis über das ganze Gesicht. Der umgängliche Italiener, der das Restaurant „La Padella“ in der Münchener Straße seit 2011 gemeinsam mit Vincenzo Giordano leitet, wird schon den ganzen Tag auf seinen berühmten Gast vom Vortag angesprochen. Um den Andrang zu bewältigen, habe er extra Personal für heute herbeirufen müssen, sagt er.

Roberto Angelis und die Spaghetti Neymar, Foto: ednetz / Niklas Molter
Besitzer Roberto Angelis. Foto: ednetz / Niklas Molter

Herr Angelis, Brasiliens Fußballstar Neymar kommt plötzlich in Ihre Pizzeria – wie dürfen wir uns das vorstellen? Was haben Sie in dem Moment gedacht?

Ich habe es einfach nicht geglaubt. Als er hereinkam, war ich gerade draußen beim Notausgang. Ein Kellner sagte mir, Neymar sei hier in Erding und ich habe – ich bin ehrlich – gelacht. Als Kellner und Chef bin ich dann an seinen Tisch gegangen. Dort habe ich ihn erkannt. Ich habe seine besonderen Tattoos gesehen, etwa das Tattoo am Finger (Anm. d. Red.: Neymar hat auf einem seiner Finger eine Krone tätowiert). Dann war klar: Das ist Neymar und er sitzt bei uns in Erding.

Wie kam es zu Neymars Besuch im „La Padella“?

Am Dienstagabend ist Neymar in München zwischengelandet: Sein Flugzeug konnte wegen Unwetter nicht weiter nach Tokio fliegen. Neymar hat also im Erdinger Hotel Kastanienhof übernachtet. Gestern wollte Neymar dann Italienisch essen und hat ein Taxi gerufen. Der Taxifahrer ist erst in die Lange Zeile gefahren – dort war etwas viel los. Dann ist er zu uns gekommen. Wir haben einen großen Parkplatz. Da muss Neymar nicht zu Fuß laufen. Er kann einfach reinkommen, Platz nehmen, bestellen und essen. Der Taxifahrer hat Neymar also „La Padella“ empfohlen und ist zu uns gefahren.

Fühlen Sie sich geschmeichelt, dass der Taxifahrer Neymar gerade Ihr Lokal empfohlen hat?

Ich bin sehr stolz. Wir alle. Wir haben wie immer – nicht weil es Neymar war – unser Bestes gegeben. Auf alle Fälle hat er am Ende gesagt, dass alles gepasst hat. Ich hoffe, er kommt wieder, aber ich glaube nicht (lacht).

Wie war Neymar als Gast?

Ein ganz normaler Gast, ein ganz netter Junge. Die Mutter war ganz in der Nähe. Er war mit ihr, seinem Bruder und vier weiteren Personen zu Gast.

Haben Sie ihn besonders behandelt oder wie jeden anderen Gast?

Wie jeden anderen Gast. Wir haben ihn einfach in Ruhe gelassen und ihn nur gefragt, was er trinken und essen möchte und ob er noch einen Extrawunsch hat. Was er bestellt hat, steht allerdings seit heute auf der Speisekarte: die Spaghetti Neymar. Das sind Spaghetti mit Spinat, Schinken und Sahnesoße, mit Parmesan und Mozzarella überbacken. Getrunken hat Neymar Coca Cola. Als Geschenk hat er von uns außerdem noch italienische Bruschetta bekommen. Unser Pizzabäcker Antonio, der seit 20 Jahren für uns arbeitet, spricht Portugiesisch. Ich habe ihm also angeboten, die Bestellung aufzunehmen, wenn er möchte. Er hat es gemacht und mit Neymar in dessen Muttersprache gesprochen. Am Ende hat er Neymar auch wegen seiner Verletzung (Anm. d. Red.: Neymar war bei der WM durch ein Foul am Rücken verletzt worden) gefragt, woraufhin Neymar meinte „tudo bem“, „alles gut“. Von der Verletzung hat man nichts mehr gemerkt, aber bis zum Parkplatz sind es ja auch nur fünf Meter.

Wie haben die anderen Gäste auf Neymar reagiert?

Stolz auf den Eintrag von Neymar ins Gästebuch - Foto: ednetz / Niklas Molter
v.l.: Gino Saletta, Vincenzo Giordano, José Antonio Mota Salgueiro, Roberto Angelis. Foto: ednetz / Niklas Molter

So wie ich waren auch die anderen Tische überrascht. Einem Stammkunden, der neben ihm saß, habe ich gesagt, dass er bei Neymar sitzt und er wollte es mir nicht glauben. „Wollen wir wetten?“, habe ich dann gefragt. Und er weiß, wenn ich wette, bin ich mir hundertprozentig sicher (lacht). Dann hat er freundlich gefragt und nur ein Foto von Neymar gemacht. Wir haben für Fotos und Autogramme auch immer gefragt. Wir sind nicht einfach an seinen Tisch gegangen und wir haben nicht andere Leute angerufen – mit Ausnahme von meinem Vorgänger, Ex-Chef Gino Saletta, und einer Aushilfe, deren Tochter sehr für Neymar schwärmt. Und die haben wir gebeten, nicht weiterzuerzählen, dass Neymar da ist.

Erding liegt in Flughafennähe. Hatten Sie bereits früher bekannte Gäste?

So einen Spieler wie Neymar hatten wir noch nicht da. Einmal war Mario Basler bei uns essen. Ich hoffe, es geht jetzt so weiter (lacht). Ich würde schon gerne ein paar Bayern-Spieler bei uns haben. Ich würde sie wie Neymar behandeln – mit Liebe und immer das Beste.

Wenn Sie sich noch einen weiteren berühmten Gast wünschen dürften, wer wäre das?

Ich als AS Rom-Fan hätte gerne einmal Totti hier. Dieses Jahr soll das Sommertrainingslager vom AS Rom in Österreich sein. Das sind nur drei Stunden Fahrt. Schauen wir also mal (lacht). Mein Partner Vincenzo kommt hingegen aus Neapel. Sein Traum wäre Maradona.

Was bleibt von Neymars Besuch?

Von gestern bis heute hatte ich mehr Stress als sonst. Ich hoffe, dass der Besuch von Neymar nicht nur für „La Padella“, sondern auch für Erding gute Werbung ist. Erding ist nur zehn Minuten vom Flughafen entfernt, es gibt hier etwas zu sehen, man kann gut essen und wir haben die Therme. Warum wird Erding nicht die nächste VIP-Stadt in der Nähe vom Flughafen (lacht)?

Und seit heute stehen die Spaghetti Neymar auf der Speisekarte?

Schon heute habe ich mehrere Portionen Spaghetti Neymar verkauft. Sie stehen seit heute auf unserer Mittagskarte. Ich hatte leider noch keine Zeit, eine neue Speisekarte zu drucken. Wir werden schauen, wie oft die Spaghetti Neymar bestellt werden und vielleicht stehen sie dann bald auf der Speisekarte.

Herr Angelis, vielen Dank für das Gespräch.