Legenden aus Erding: Die Turmschieber

Mythen und Legenden. Niemand weiß, woher sie kommen oder ob sie stimmen. Aber sie überleben Jahrhunderte. Auch in Erding erzählte man sich früher diverse Legenden und Volkssagen, die wir hier vorstellen möchten. Heute: Die Erdinger Turmschieber.

Im 15. Jahrhundert war der Bau der prächtigen St. Johann Kirche endlich abgeschlossen. Die Erdinger waren sehr stolz auf diese, auch wenn sie keinen Kirchturm hatte. Dafür mussten sie viel Spott einstecken. Doch für den Bau eines Turms war kein Geld mehr da. Was tun?

StadtturmDie Erdinger sind ja nicht dumm. Es gab ja schon einen Turm, den Stadtturm an der Schrannenhalle. Der muss jetzt nur noch zur Kirche gelangen. Einer Legende nach versammelten sich alle Bürger Erdings, um den Turm an die Kirche zu schieben. Für Bier zur Stärkung war auch gesorgt und so schoben die stärksten Männer wie verrückt. Nach einer Weile wollten sie überprüfen, wie weit sie den Turm denn schon bewegt hatten. Sie konnten es allerdings nicht sagen, da niemand wusste, wie weit die Kirche vom Stadtturm entfernt war. So zog kurzerhand der Bürgermeister seinen prächtigen Mantel aus und lag ihn vor den Turm. Nach einer weiteren Stärkung machten sich die Erdinger wieder ans Werk.

Als sie nachsahen, wie weit sie den Turm nun geschoben hatten, war der Mantel verschwunden. Logische Schlussfolgerung: Der Turm musste bereits über den Mantel hinüber geschoben worden sein. Sie freuten sich und um ihre Fortschritte weiter beobachten zu können, legte ein anderer Mann nun seinen Mantel hinter den Turm. Wieder schoben alle nach Leibeskräften, doch der Mantel lag noch immer an dem Turm. Man mutmaßte, dass der Turm zu stolz wäre, um über den Mantel eines kleinen Mannes zu gehen. Als er auch über einen dritten Mantel aus feiner Seide nicht gehen wollte, begannen die Erdinger sich fürchterlich zu streiten. Damit war es mit der Schieberei vorbei.

Niemand hatte bemerkt, dass ein ortsfremder Handwerksbursche den Mantel des Bürgermeisters gestohlen hatte. Er verkaufte den Mantel kurze Zeit später in Moosburg und erzählte dort die Geschichte der Erdinger Turmschieber. Die Moosburger lachten hingegen herrlich über die Dummheit der Erdinger.

Inzwischen ziert eine Skulptur der Erdinger Turmschieber von Harry Seeholzer die Zufahrt zur Innenstadt in der Münchner Straße.

Quellen:
www.mytimes.de
Architektur Erding
„Sagen, Legenden, Anekdoten und Erzählungen – Erdinger Land (Heft 21)“