Interview mit Petra Bauernfeind (UWE)

Mit Petra Bauernfeind von den Unabhängigen Freien Wählern (UWE) tritt auch wieder eine Frau in den Erdinger Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters. Als Mutter eines achtjährigen Sohnes und durch ihr Engagement in mehreren Ehrenämtern legt sie besonderen Wert auf die Bereiche Familie und Soziales. Außerdem vertritt sie die Meinung, dass es nicht schaden kann, wenn eine Frau ganz vorne mitmischt.

Frau Bauernfeind, wird es Zeit für eine Frau an der Spitze der Erdinger Politik?

Petra Bauernfeind, Foto: Petra Bauernfeind
OB-Kandidatin Petra Bauernfeind, Foto: Petra Bauernfeind

Also ich war überrascht, dass ich, glaube ich, erst die zweite Frau bin, die sich um das Amt bewirbt. Ich finde das ein bisschen komisch. Es ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Ich meine, 50 Prozent der Bevölkerung sind Frauen, sogar ein bisschen mehr. Es ist erstaunlich, dass sich Frauen im öffentlichen Bereich immer so ein bisschen zurücknehmen.

Meinen Sie, es könnte einen Unterschied machen, ob eine Frau oder ein Mann das Amt des Bürgermeisters besetzt?

Ja, das denke ich schon.

Warum?

Das ist schwierig zu erklären. Ich habe immer so ein bisschen das Gefühl, dass Männer immer mehr ihre Macht demonstrieren wollen oder müssen. Vor allem auch im Gespräch mit anderen Männern. Die Männer verteidigen irgendwie ihr Revier und das, glaube ich, machen Frauen nicht. Frauen gehen mehr auf andere zu und sind offener für das, was das Gegenüber ihnen sagt, und sehen nicht gleich einen Konkurrenten im Anderen.

Sie und die UWE stehen sehr für Familie und Soziales. Wie steht’s mit der Jugend? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Jugendparlament?

Also bei uns auf der Liste steht sogar eine junge Frau, die im Jugendparlament aktiv ist. Der Kontakt könnte, glaube ich, schon intensiver sein, überhaupt vom ganzen Jugendparlament her. Ich glaube, dass die mehr intern arbeiten. Sie machen schon einige tolle Veranstaltungen, aber der Kontakt zum Stadtrat, den ja so ein Jugendparlament auch herstellen sollte, der ist eigentlich nicht so da.

Aber das Konzept „Jugendparlament“, wie würden Sie das bewerten? Kann man das auf andere Gruppierungen übertragen? Der Seniorenbeirat wurde ja abgelehnt.

Die Frage des Seniorenbeirats ist natürlich heiß diskutiert worden. Für mich würde sich allerdings nicht die Notwendigkeit eines Seniorenbeirats als Erstes aufdrängen. Ich hätte Angst, dass sich das dann überhaupt so zersplittert. Dann bräuchte man einen Familienbeirat, einen Migrationsbeirat beispielsweise. Es gibt noch viel mehr Gruppierungen in der Stadt, die noch weniger Lobby haben als die Senioren.

Die Senioren sind sehr aktiv, die interessieren sich, die informieren sich, die reden auch mit. Es gibt auch einen relativ hohen Seniorenanteil im Stadtrat. Es gibt aber auch ganz andere Gruppierungen, die eine viel stärkere Lobby bräuchten. Aber dann hat man ja lauter einzelne Interessensvertretungen.

Sehen Sie einen solchen Beirat oder ein Parlament also nicht als Möglichkeit für die Integrierung von Randgruppen in die Gesellschaft?

Also ich finde es immer besser, wenn sich von sich aus eine Gruppe gründet, wie sich jetzt zum Beispiel für die Asylbewerber eine Arbeitsgemeinschaft gegründet hat. Oder der ADFC beispielsweise, der als Verein die Interessen der Radfahrer vertritt. Das glaube ich macht mehr Sinn, als wenn man vom Stadtrat aus irgendwelche Gremien anregt und dann händeringend nach Menschen sucht, die die besetzen. Meistens greift man dann wieder auf Menschen zurück, die sich sowieso schon engagieren. Also fällt die Katze praktisch auf die gleichen Beine.

Und wie schafft man es nun, Randgruppen besser miteinzubeziehen?

Einbeziehen insofern, dass man mit diesen Vereinen und Verbänden einen möglichst intensiven Austausch hat. Wer allerdings tatsächlich überhaupt keine Lobby hat aus meiner Sicht, das sind Hartz-IV-Empfänger.

Was könnte man da tun?

Also ich versuche schon, über die Nachbarschaftshilfe und über die Tafel da ein bisschen einzuwirken. Aber es ist in der Tat schwierig. Mir fällt auch auf, dass diese Menschen auch wenig Interesse haben, sich zum Beispiel in einer Gemeinschaft einzubringen. Man müsste also auch die Menschen viel mehr dazu bringen, dass sie ihre Situation auch mal irgendwie darstellen in der Öffentlichkeit.

Das ist auch ein Schwerpunkt von Ihnen?

Ja, ich würde das in jedem Fall auch drauf haben. Also jetzt ist es ja sowieso ein Schwerpunkt. Ich bin mindestens zweimal in der Woche für die Nachbarschaftshilfe und die Tafel im Einsatz.

Was wäre ein weiterer Schwerpunkt, der Ihnen am Herzen liegt, abseits vom Sozialen?

Die Nordumfahrung. Die Diskrepanz zwischen CSU und UWE beispielsweise ist die Trassenführung. Da hätten wir uns etwas gewünscht, was weiter außen um die Stadt rumgeht. Wir hoffen dennoch, dass sie wirklich Entlastungen für Erding insgesamt bringt, die sich vielleicht auch bemerkbar machen, dass das wirklich spürbar ist. Vor allem ist nicht zu unterschätzen: Der ganze Schwerlastverkehr, der ja teilweise auch Gefahrengüter mit sich bringt. Dass man den auch aus der Stadt rausbringt, wäre schon auch ein wichtiges Anliegen.

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