Interview mit Max Gotz (CSU)

Max Gotz von der CSU ist als Nachfolger von Karl-Heinz Bauernfeind seit 2008 Bürgermeister der Stadt Erding. Seit nunmehr einem Jahr darf er sich allererster Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Erding nennen. Die Stadt und seine Bürger liegen ihm nach eigener Aussage sehr am Herzen und er hat daher einige Ziele, die er in einer zweiten Amtszeit gerne umsetzen möchte.

Herr Gotz, sechs Jahre Amtszeit ziehen ins Land. Wie ist Ihre Bilanz?

OB Max Gotz, Foto: Max Gotz
Oberbürgermeister Max Gotz, Foto: Max Gotz

Viel von den Dingen, die ich im Wahlprogramm angesprochen habe, bis auf zwei oder drei Dinge, sind umgesetzt. Ich habe das Gefühl, dass die Erdinger die Schritte sehr wohlwollend mitgegangen sind. Die Schulsanierungen, die Straßenbauten.

Aber auch bis hin zu dem Thema Stadtparkveränderung, wo man jahrelang immer weggeschaut hat. Wir haben es geschafft, einfach mal mit ganz intensiven Bürgerbeteiligungsprozessen, den Stadtpark zu verändern, das Museum neu zu gestalten, zu erweitern, ein Lehrschwimmbecken zu machen.

Also viele bunte Dinge, aber vor allem eines, die Vereine zu stärken, die Sportvereine, die Stadtkapelle, all denen einfach auch einmal eine Wertschätzung zu geben. Nicht einfach, indem man sagt „Toll macht ihr das!“, sondern auch von Raumangeboten bis hin zu sonstiger Unterstützung, einfach etwas hingebracht zu haben.

Gibt es Ergebnisse, mit denen Sie noch nicht voll zufrieden sind? Was möchten Sie noch weiterentwickeln?

Ja, natürlich gibt es solche Ergebnisse, wo man auch Kompromisse gehen musste. Das ist dann der Fall, wenn wir als Stadt mit anderen Planungsträgern zusammenarbeiten, wie zum Beispiel bei der Situation des S-Bahnringschlusses. Da haben wir also schon noch Einiges nachzubessern. Genauso auch bei dem Regionalbahnanschluss. Das sind so Dinge, da ist man nicht ganz zufrieden.

Was auch schwierig ist, sollte man nicht unterschätzen, das sind diese langen Prozesse, auch was die Konversionsflächen mit der Bundeswehr betrifft. Die Auflösung des Standortes. Es sind halt sehr oft Dinge, wo man schnauft, bei denen man nicht alleine der Handelnde ist.

Für die frei werdenden Flächen am Fliegerhorst hört man schon allerlei Pläne. Wie sehen da Ihre Vorstellungen aus?

Also der erste Wunsch muss natürlich sein, dass die Stadt möglichst alle Flächen in ihren Besitz bringt. Das ist das oberste Ziel. Alles andere sind teilweise auch Wahlkampffantastereien, die nicht umsetzbar sein werden. Es gibt einen Dreiklang in der bisherigen Planung mit den Beschlüssen der Stadt: Nämlich einen großen Freizeit- und Erholungsbereich zu schaffen, der auch aus der Idee der Landesgartenschaubewerbung sicherlich seine Berechtigung hat und auch den dringenden Wunsch der Bevölkerung.

Dann gibt es natürlich den Bereich des Wohnens und zum Dritten auch den des Gewerbes, weil wir dort auch Gewerbestrukturen haben, die wir sichern und ausbauen wollen, weil Arbeits- und Ausbildungsplätze eine ganz entscheidende Rolle auch für die Zukunft spielen. Es wird nicht immer so gut sein, wie es jetzt ist. Und alle weiteren Überlegungen sollte man noch ein Stück hinten anstellen und nicht Gelüste wecken, die man dann gar nicht halten kann.

Denn als Erstes haben wir die Verhandlungen zu führen, die Grundstücke in das Eigentum der Stadt zu überführen. Das wäre der größte Erfolg, weil dann alles andere tatsächlich machbar ist. Vorher sind das nur Wunschkonzerte.

Jetzt nannten Sie Gewerbegebiete. Es gibt ja mehrere außerhalb des Zentrums, während die Innenstadt immer weniger ausgewogene Einkaufsmöglichkeiten bietet. Was könnte man da tun?

Da muss man die Antwort sehr klar geben: Die Verantwortung für den Branchen-Mix trägt nicht die Stadt, sondern die Immobilieneigentümer, die mit ihrer Vermietungspolitik die Strukturen vorgeben. Da sind die Einflussmöglichkeiten der Stadt relativ gering.

Ich sage auch sehr bewusst seit zwei bis drei Jahren, wo immer ich zu diesem Thema befragt werde, um zu sensibilisieren, dass die Eigentümer der Häuser auch ein Stück in die Verantwortung genommen werden müssen und nicht den x-ten – ich sage jetzt bewusst keine Einzelheiten, aber wir alle wissen, dass wir so manche Sortimente achtmal oder neunmal haben, obwohl es dreimal auch reichen würde, aber zum attraktiven Einkaufserleben würden uns eigentlich mehr Facetten gut anstehen.

Natürlich spielt es eine Rolle, welchen Mieterlös man erzielen kann und das ist wohl in aller Regel auch das Entscheidende. Was mich aber nicht davon abhalten lässt, dass ich sehr gerne in der nächsten Amtszeit das Thema mit einem Lebensmittel- und Versorgungsgeschäft an der Stelle dann auch umsetzen möchte.

Wie sieht es mit den Plänen bezüglich der Erreichbarkeit der Innenstadt aus?

Die Erreichbarkeit muss auch dem Wunsch der Menschen Rechnung tragen. Es gibt ja diesen hohen Wunsch nach Mobilität.

Wir bauen weiterhin das ÖPNV-Angebot aus. Die Zahlen sind enorm steigend, das heißt die Busverkehre werden hervorragend angenommen und wir setzen in Straßen, die wir ausbauen, in den letzten Jahren verstärkt auf den Aspekt „Sichere Wege für die Radfahrer“. Das letzte Beispiel ist jetzt die Dorfener Straße gewesen. Wir sollten, und das ist jetzt ein persönliches Ziel von mir, schon die Erreichbarkeit der Innenstadt im Auge behalten, aber Bereiche herauspicken, bei denen wir den Erlebnischarakter der Innenstadt der Fußgängerräume zurückgeben oder besonders herrichten.

Konkret: Friedrich-Fischer-Platz vor der Sparkasse, dieser große Bereich Richtung Haager Straße ist in meinen Augen prädestiniert, um einen Fußgängerbereich zu gestalten. Auch gerne mit einem schönen Kunstwerk oder einem Brunnen, was nicht zwangsläufig zu einer deutlichen Reduzierung der Parkplätze führen muss. Da gibt es also sehr kreative Ansätze.

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